Ein Merkmal der Waldorfpädagogik ist der sogenannte Epochenunterricht, d.h., dass der Lernstoff in längeren Unterrichtseinheiten sowie über einen Zeitraum von ca. vier Wochen jeweils in den ersten beiden Stunden des Tages behandelt wird. Dies führt dazu, dass eine viel grössere Vertiefung stattfinden und das Kind sich wirklich mit dem Lernstoff verbinden kann. Die Epochen in verschiedenen Fächern lösen einander ab. Nach Abschluss der Epoche darf der Stoff eine Weile ruhen. Dieses „Vergessen“ des Stoffes ist durchaus kalkuliert; die Erfahrung zeigt, dass durch die Ruhephasen zwischen den Epochen der Stoff danach umso präsenter ist und sogar Probleme aus der vorherigen Epoche überwunden sein können. Schulbücher und technische Lehrmittel werden insbesondere in der Unterstufe nur selten eingesetzt. Während der Epochen gestalten die Schüler mit dem sogenannten Epochenheft ihr eigenes Lehrmittel, bestehend aus Texten, die zu Beginn vorgeschrieben, dann diktiert und schliesslich zunehmend selbst verfasst und illustriert werden. Der Epochenunterricht wird in den Fächern Deutsch, Mathematik, Formenzeichnen (in den unteren Klassen) und Geometrie (ab der 5.Klasse), den Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie) sowie in Geschichte und Geographie abgehalten. Alle anderen Fächer – Fremdsprachen, Eurythmie, Sport, Werken, Handarbeit, Kunst, Gartenbau und Musik – werden in jeweils mehreren Wochenlektionen von Fachlehrer/innen unterrichtet. In den Fächern Deutsch und Mathematik gibt es zusätzliche, wöchentliche Übstunden.

 

Was mir an der Steiner-Pädagogik gefällt, ist die Tatsache, dass neben der Wissensvermittlung durch den Lehrer auch die Strategien des Selbstlernens im Mittelpunkt stehen. Ich schätze es, dass man innerhalb des Lehrplans grosse Freiheit hat, den Unterricht zu gestalten, dass auf die künstlerische, kreative Seite grossen Wert gelegt wird und dass der Lehrer eine Art Beziehungsstifter werden kann. An der Steiner Schule St.Gallen erlebe ich eine Erziehungspartnerschaft, in der es um Verständnis, Gegenseitigkeit und Wesensbegegnung geht.
— Nora Fischer, Oberstufenlehrerin