Die Rudolf Steiner Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen - unabhängig von deren weltanschaulich-religiöser oder politischen Haltung und der wirtschaftlichen Situation der Eltern.
An der Rudolf Steiner Schule St. Gallen findet ein persönliches Aufnahmegespräch gemeinsam mit den Eltern, dem Kind, dem zukünftigen Klassenlehrer, der zukünftigen Klassenlehrerin und der Schulleitung statt. Auch in höheren Klassen können Schülerinnen und Schüler als Quereinsteiger aufgenommen werden. Dies bietet in der Regel keine Probleme.
Für heilpädagogische Probleme bei Kindern stehen spezielle anthroposophische Institutionen zur Verfügung.
Rudolf Joseph Lorenz Steiner wurde am 25. Februar 1861 im heutigen Kraljevec geboren (damals Königreich Ungarn und Kaisertum Österreich, heute Kroatien) und starb am 30. März 1925 in Dornach (Schweiz).
Nach einem Studium an der Technischen Hochschule in Wien in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern promovierte er aus finanziellen Gründen erst 1891 an der Universität Rostock bei Dr. Heinrich von Stein zum Dr. phil.
Von 1884 - 1897 teils parallel zu seinem Studium war er der erste Herausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes.
Er begründete 1912 die Anthroposophie, eine Bewegung, die Geisteswissenschaft ins alltägliche Leben bringen will. So gab er Anregungen in den verschiedensten Lebensbereichen:
Pädagogik (Waldorfpädagogik), Kunst (Eurythmie, Architektur, Bildgebende Künste), Medizin (anthroposophisch erweitertes Heilwesen), Landwirtschaft (biologisch dynamischer Landbau)

1919 gründete er die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldor-Astoria-Zigarettenfabrik aus. Er wollte eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einrichten.
Nein. Dies ist in keiner Weise Voraussetzung. An der Rudolf Steiner Schule lernen Kinder mit verschiedenen Begabungen wie auch an der staatlichen Schule. Die künstlerische Arbeit (malen, zeichnen, bildhauen, plastizieren usw.) ist prozessorientiert. Das heisst, dass es dabei um das Tun und nicht um das Endergebnis geht. An diesen Prozessen erüben die Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von Fähigkeiten, auch solche, die nicht direkt mit dem künstlerischen Gestalten zusammenhängen, und lernen viel über sich selbst.
Die Lehrpersonen achten darauf, logisches Denken, Kreativität und die Fähigkeit zu handeln gleichermassen zu fördern.
In den ersten zwei Schuljahren sind die Schulzimmer statt mit den herkömmlichen Schreibpulten mit Bänkchen und Kissen ausgerüstet, die vielfältige Aktivitäten ermöglichen. Die Kinder ordnen die Bänke immer wieder neu:
Nein. Ausdrücklich nein. Für Kinder mit Teilleistungsschwächen oder Verhaltensstörungen gibt es spezialisierte anthroposophische Institutionen.
An den Rudolf Steiner Schulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen wie an der staatlichen Schule auch. Allerdings werden an der Rudolf Steiner Schule die sozialen und handwerklich-künstlerischen Fähigkeiten gleich gewichtet wie die intellektuellen Fähigkeiten.
Auch wenn in der Rudolf Steiner Schule für die Unter- und Mittelstufe keine Noten gegeben werden korrigieren die Lehrer selbstverständlich alle Schülerarbeiten. Sie lassen es aber nicht bei dürren Noten bewenden, sondern formulieren individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklungen und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler ein.
Die Rudolf Steiner Pädagogik richtet sich nach den Entwicklungsphasen der Kinder und Jugendlichen. Deshalb ist nicht der momentane Wissensstand, sondern die Gesamtentwicklung entscheidend. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schülerinnen und Schüler nach Möglichkeit in ihrer festen Klassengemeinschaft, auch wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen.
Da der Unterricht der Rudolf Steiner Schule auf die jeweiligen Entwicklungsphasen der Schüler abgestimmt und sehr lebensnah und lebenspraktisch gestaltet ist, stellt sich dieses Problem nur selten. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen durch Interesse und aus gesunder Motivation für Leistungen zu gewinnen.
Die Befragung von Absolventen der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, die 2007 von D. Randoll und H. Barz als Kooperationsprojekt der Universität Düsseldorf und der Alanus Hochschule durchgeführt wurde, widerlegt das Klischee, dass an Rudolf Steiner Schulen nicht "auf das Leben draussen" vorbereitet werde.
Die Studie belegt, dass die Steiner Schulen ihre Schülerinnen und Schüler wirksam dabei unterstützen, ihrem Leben eine sinnvolle, befriedigende Ausrichtung zu geben und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein Drittel der Befragten hat eine akademische Ausbildung absolviert. Unter den am häufigsten ergriffenen Berufen finden sich neben Ärzten, Ingenieuren und Geistes- und Naturwissenschaftlern auffallend viele Lehrer (18 Prozent) und sozial ausgerichtete Berufe. 86 Prozent der Befragten sind der Ansicht, an der Steiner Schule sinnvolles und weiterführendes Wissen erworben zu haben.
An der Rudolf Steiner Schule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern. Das Fach Informatik ist fester Bestandteil des Lehrplanes, wobei die Pädagogen Wert darauf legen, dass sich die Schülerinnen und Schüler zuerst mit der natürlichen "realen" Welt vertraut machen und ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten entwickeln, bevor sie in die virtuelle Welt einsteigen. In der Integrativen Mittelschule (IMS) ist der Umgang mit dem Computer eine Selbstverständlichkeit.
Schülerinnen und Schüler, die den Bildungsgang der Integrativen Mittelschule (IMS) mit Erfolg abgeschlossen haben, erhalten das Zertifikat IMS. Nach Wahl und Befähigung können folgende Zusatzqualifikationen erworben werden:
Zusatzqualifikation IMS F: Öffnet den Weg zum Besuch von Fachhochschulen und Höheren Fachschulen, die das Zertifikat IMS F als gleichwertige allgemeinbildende Ausbildung anerkennen.
Zusatzqualifikation IMS B: Erlaubt die Dispensation vom allgemeinbildenden Unterricht und von der gewerblich-industriellen Lehrabschlussprüfung im Fach Allgemeinbildung.
Die Integrativen Mittelschulen verfügen über langjährige Erfahrungen mit der Maturvorbereitung: Über ein Drittel der Steiner Schülerinnen und Schüler machen die gymnasiale Matur. Die Atelierschule in Zürich bietet einen Bildungsgang zur schweizerische anerkannten Hausmatur an.
An der Rudolf Steiner Schule setzen sich die Jugendlichen sehr intensiv mit der Welt auseinander, auch mit den zerstörerischen Seiten - aber nicht bereits im Kindergarten.
Professor Manfred Spitzer mit Forschungsschwerpunkt kognitive Neurowissenschaften schreibt in seinem Buch "Das WAHRE SCHÖNE GUTE", nachdem er ausgeführt hat, dass das Gehirn nicht wie das Immunsystem funktioniert und deshalb nicht möglichst früh mit möglichst viel "Dreck" in Berührung kommen muss: "Daher besteht Erziehung zu einem Gutteil ja gerade darin, die Randbedingungen des Lebens unserer Kinder so zu gestalten, dass sie so oft es irgend geht Erlebnisse des Wahren, Schönen und Guten haben können, sodass diese Erlebnisse Spuren hinterlassen, was aus ihnen entsprechende Erwachsene macht. Noch nie hat jemand durch ein Sprachtraining mit Schimpfwörtern oder ein Verhaltenstraining mit Aggressivität sich gut ausdrücken oder sich friedlich zu verhalten gelernt. (S.54, Das WAHRE SCHÖNE GUTE, Prof. M. Spitzer)
Rudolf Steiner Schulen sind unabhängige Schulen in privater Trägerschaft die, zumindest im Kt. St. Gallen, ohne staatliche Subventionen auskommen müssen. Diese Situation bringt es mit sich, dass die Eltern die Hauptverantwortung für die Finanzierung der Schule tragen. Der Elternbeitrag entspricht den finanziellen Möglichkeiten der Familien und trägt den Bedürfnissen der Schule Rechnung. Diesen Einklang hoffen wir im neuen Elternbeitragsreglement verwirklicht zu haben. Dieses wurde im August 2010 durch die Mitgliederversammlung des Schulvereins verabschiedet.
Engagierte Eltern und Lehrkräfte verstehen sich als gleichwertige Erziehungspartner. Die Eltern sind in den Entwicklungsprozess der Schule einbezogen und werden ernst genommen mit ihren Fragen und Anregungen. An den meisten Steiner Schulen gibt es dazu einen Elternrat. In schwierigen Situationen könne sich Eltern an eine Ombudsstelle wenden. Regelmässig stattfindende Gespräche zwischen Eltern und Lehrkräften dienen der Standortbestimmung der Schülerinnen und Schüler. In der Regel findet einmal pro Quartal ein Elternabend der Klasse statt.
Von der 1. bis zur 7. Klasse wird an der Rudolf Steiner Schule durch den selben Klassenlehrer/die selbe Klassenlehrerin unterrichtet. Die Lehrperson kann so eine individuelle Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern aufbauen, sie bekommt ein Gespür für die Persönlichkeit des Kindes und versucht jedes Kind so zu behandlen, dass seine schlafenden Fähigkeiten optimal entwickelt werden. Auf Grund der langjährigen Beziehung kann er/sie in schwierigen Lebenssituationen unterstützend wirken.
Lehrpersonen der Rudolf Steiner Schule St. Gallen haben in der Regel eine erweiterte anthroposophische Ausbildung, die auf die Erfordernisse des Unterrichts vorbereitet. Klassenlehrer erteilen jeden Morgen in den ersten beiden Schulstunden ein Fach über mehrere Wochen (Epochenunterricht). Danach übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Sport (ab der 3. oder 4. Klasse), in Fremdsprachen (wenn nicht die Klassenlehrperson diese selber unterrichtet), in Eurythmie (ab dem Kindergarten), Religion und Musik sowie in den handwerklichen Fächern.
Ab der 8. Klasse werden auch die Grundlagenfächer (Mathematik, Deutsch, Geschichte, Naturwissenschaften) - gemäss den erhöhten, fachspezifischen Anforderungen - von entsprechenden Fachlehrpersonen unterrichtet. Das System des Epochenunterrichts wird jedoch beibehalten.
In den ersten beiden Stunden des Schulvormittages behandeln die Lehrpersonen ein Stoffgebiet in Epochen über mehrere Wochen hinweg. So haben die Schülerinnen und Schüler z.B. vier Wochen lang jeden Tag zwei Stunden Geschichte, dann wieder 4 Wochen lang zwei Stunden Mathematik usw. Sie verbinden sich auf diese Weise intensiv mit dem Stoffgebiet und lernen die anderen Fächer im Zusammenhang mit diesem einen (Aufsätze schreiben zu Geschichtsthemen, Vorträge halten, Umrechnen von Währungen usw.).
Grundfertigkeiten wie Rechnen und Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden.
Während der ganzen Oberstufe werden die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern von Fachlehrern unterrichtet. Die handwerklichen Fähigkeiten, die sie sich über die gesamte Schulzeit hinweg angeeignet haben, werden von der 8. Klasse an durch Praktika ergänzt: Landwirtschaftliches- und Forstpraktikum, Feldmess-, Betriebs- und Sozialpraktium zur lebensnahen Bildung. Der Sinn dieser Praktika liegt nicht in der Berufsfindung, sondern im Erzielen praktischer Tätigkeiten, in der Berührung mit verschiedenen Lebensbereichen sowie im Erüben sozialer und persönlicher Fähigkeiten.
Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die an Rudolf Steiner Schulen in allen Klassen unterrichtet wird. In der Eurythmie gibt es für jeden Buchstaben und jeden Ton eine bestimmte Gebärde.
Im Gegensatz zur Gymnastik, die mit den physikalischen Kräften der Schwere und Leichte arbeitet, versucht Eurythmie durch die Körperbewegung die Gesetzmässigkeiten von Sprache und Musik ganzheitlich zum Erleben zu bringen.
Nein. Die Lehrpersonen bauen ein von "liebevoller Autorität" geprägtes Verhältnis zu ihren Schülerinnen und Schülern auf. Kinder und Jugendliche suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie ihre Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Dieser Grenzsuche standzuhalten, ist mit Aufgabe der Lehrpersonen.
Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Entwicklung der Heranwachsenden.
Die Rudolf Steiner Schule ist konfessionell neutral. Zunächst entscheiden die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, später entscheiden die Jugendlichen selbst. Rudolf Steiners geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse selbst sind zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Unterrichts.
Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse und alle Vorträge und Schriften Rudolf Steiners sind öffentlich (auch im Internet) zugänglich. Diese Erkenntnisse fliessen nur in die Unterrichtsmethodik und das Entwicklungsverständnis des Kindes und Jugendlichen ein. Sie sind zu keinem Zeitpunkt selbst Gegenstand des Unterrichts.
Die Sektenvorwürfe in Frankreich mussten zurückgezogen werden.
Freiheit im Denken ist eines der zentralen Anliegen von Rudolf Steiner und der von ihm begründeten Anthroposophie.
Die Rudolf Steiner Schulen stellen das Kind ins Zentrum und orientieren ihren Lehrplan konsequent an seiner Entwicklung. Sie unterrichten Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen wie an den staatlichen Schulen auch, nur dass neben intellektuellen Fähigkeiten gleichwertig auch soziale, künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten angesprochen werden. Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigekit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, können sich so vom ersten Schultag an entwickeln.